Musikalisch-kabarettistischer Zungenschlag

ImageZwei Abende hintereinander vor ausverkauftem Haus auf der Bühne stehen, wo das Publikum mit lauten Beifallsrufen und stehendem Applaus seine Begeisterung zeigt! Welcher Künstler wünscht sich das nicht? In einer Premiere konnte sich an diesem Wochenende, im katholischen Jugendheim Fürth, die neue Formation „Kabarella“ über solch enthusiastische Zuschauerreaktionen freuen.

„Kabarella“ nennt sich ein Projekt, das aus „Kabarett“ und „A-capella- Gesang“ besteht. Dass dahinter bekannte und beliebte Fürther Bühnentalente stehen, erklärt schon allein den reißenden Absatz beim Kartenvorverkauf.

Die Kabarettseite ist von einem Mann besetzt, der nur die Bühne zu betreten braucht, schon ertönen laute Beifallsrufe. Wolfgang Arnold, theater- und karnevalserprobter Komödiant. Ob als tänzelnder „Exhibitionist“ im Trenchcoat, als satirischer Ankläger der Finanzlage im eigenen Heimatort „Wer braucht schon eine Turnhalle, in der 100 Sportarten betrieben werden“ oder als humoristischer Beleuchter aktuellen Politgeschehens in Hessen. „Roland Koch hört auf, fragt sich nur, womit. In Rimbach hat man zur Feier des Tages die Blitzanlage auf Dauerbetrieb gestellt“.

Sprachen-Jongleur

Doch Arnold präsentiert an diesem Abend nicht nur politische Satire. Er jongliert auch mit dem, womit er in seinem eigentlichen Beruf als Journalist tagtäglich zu tun hat: Mit der Sprache. In einer umwerfenden Persiflage auf die Poetry-Slam-Szene schildert er rhythmisch gestikulierend den verzweifelten physikalischen Kampf im Bierglas „wenn sich beim Cola-Weizen dort der Zucker breit macht, wo normalerweise der Hopfen hin gehört.“ Großartig ist auch sein „Telefonat mit Gott“, bei dem sich am Ende herausstellt, dass Allah unter dem gleichen Anschluss zu erreichen ist. Hier ist neben dem Gelächter des Publikums auch ein wenig Nachdenklichkeit zu spüren.

Was den anderen Teil des Projektes „Kabarella“ angeht, so fallen die Zuschauer-Ovationen nicht weniger stürmisch aus. Bereits seit 2002 begeistern acht Sängerinnen und Sänger unter dem Namen „Die Vielharmoniker“ ihr Publikum. Als sie an diesem Abend zum Auftakt das Thema zu „Pink Panther“ singen, ist es kaum zu glauben, dass dieser voluminöse, mehrstimmige „A-capella- Gesang“ aus gerade mal acht Kehlen kommt.

Atemberaubende Interpretation

Dazu entsteht der faszinierende Effekt, dass vokaler Swing auch Rhythmusgruppen ersetzen kann. In eine atemberaubende Interpretation des Titels, den Queen einst als ihren schwierigsten bezeichnet haben, legen die „Vielharmoniker“ ihr ganzes Können hinein. Unter dem Dirigat von Bariton Jan Unger ertönt eine derart perfekte „Bohemian Rhapsody“ mit all ihren bombastischen, unterschiedlichen Elementen, dass erst einmal andächtige Stille herrscht, ehe frenetischer Beifall losbrandet.

Für das britische Mitglied der „Vielharmoniker“, Matt Atherton, hat Wolfgang Arnold den Sting-Titel „I’m an englishman in New York“ umgedichtet. „Ich bin ein Engländer im Odenwald“, singt Matt, der mittlerweile überzeugte Odenwälder, „Statt Fish and Chips gibt’s jetzt „Handkäs“.

„Genetischer Defekt“

Überhaupt sind die „Vielharmoniker“ nicht nur eine hervorragende Gesangsgruppe, die Swing, Bossa, Jazz und sogar einen deutschen Marsch im Repertoire haben. Sie besitzen auch komödiantisches Talent und so schwarzen Humor, dass sie aus den täglichen Todesanzeigen abenteuerliche Moritaten dichten. Am Ende erscheint Wolfgang Arnold mit Koffer. Doch ob er tatsächlich verreist, will er sich noch überlegen. Denn der typische Odenwälder, meint er, für den „Hochdeutsch so etwas wie ein genetischer Defekt bedeutet, leidet im Ausland gerne mal an einer Unterversorgung von Äbbelwoi und Handkäs“. Dass dieser herrlich amüsante Abend bei all den Bravorufen und Begeisterungspfiffen nicht ohne Zugaben ausklang, versteht sich von selbst.

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Bilder: Reinhard Arnold/Uwe Schmitt

 
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Am Samstag hatten wir mal wieder einen Probetag, an dem wir uns für unseren nächsten Gig am 19.10. (“Vielharmonisches Menü“) fit gemacht haben.

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