Konzert Bericht - Odenwälder Zeitung 21.04.08
Geschrieben von Wolfgang Arnold - Odenwälder Zeitung   

 

Fußball oder Vielharmoniker? Für Viele war dies am Samstag offenbar keine Frage und so konnte die A-cappella-Gruppe aus Fürth ihr neues Programm "...mit Tee und Äbbelwoi!", trotz Pokalendspiel, in einem voll besetzten Jugendheim präsentieren.

"Mal ehrlich, wer wurde gezwungen, hier zu sein?" Auf diese Frage von Vielharmoniker-Mitbegründer Jan Unger reckte sich im ganzen Saal nur eine Hand in die Höhe: die von Matt Atherton, dem Tenor und einem der musikalischen Köpfe der Gruppe. Dies beweist zweierlei: Zum einen hat es sich längst herumgesprochen, dass es sich lohnt, für ein Konzert der
Fürther Vielharmoniker einen schnöden Kick im fernen Berlin sausen zu lassen; zum anderen, dass die Gruppe die Gabe hat - trotz hoher Konzentration, die der A-cappella-Gesang erfordert - das Ganze locker und unverkrampft anzugehen.

Publikum mit einbezogen

Ein flotter Spruch bei den wechselseitigen Ansagen, ein kleiner Seitenhieb bei der Vorstellung der einzelnen Gruppenmitglieder: Dies alles half, die Distanz zwischen Musikern und Publikum - im Fürther Jugendheim sowieso nicht sonderlich groß - schnell schrumpfen zu lassen. Und so ließen sich die Gäste im Saal bei "The lion sleeps tonight" sogar ermuntern, die eigenen A-cappella-Fähigkeiten einmal im Wechselspiel mit den Vielharmonikern zu testen.

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Gesanglich ohnehin längst auf einem bemerkenswerten Level angelangt, hat die 2002 gegründete Gruppe ihre Bühnenpräsentation fortentwickelt und liefert auch optische Glanzpunkte - ohne dass der Gesang in den Hintergrund rücken würde. Einer der Höhepunkte des Abends ist das, von auf der rückwärtigen Leinwand kreisenden Bildern unterlegte, Medley mit James-Bond-Songs. Von Viola Unger, der musikalischen "Chefin", selbst arrangiert sorgt nicht nur das bekannte Intro der 007-Filme für Gänsehaut. Mal geheimnisvoll, fast leise, mal kraftvoll treibend nimmt beispielsweise "Live and let die" mit auf eine emotionale Reise, mit der 1973 die Ära von Roger Moore in der Rolle des Geheimagenten startete.

Das Bond-Thema ist für Toby Hill die "Nationalhymne des kleinen, englischen Mannes". Wie Atherton stammt der Tenor aus England und profitiert deshalb nicht von der "Gnade", bei manchen englischsprachigen Songs den Text nicht zu verstehen. Von einer solchen spricht Jan Unger bei der Einleitung zu "Something stupid", wovon sich Viola Unger und
Toby Hill aber nicht beirren lassen und sich bei der Herzschmerz-Ballade so richtig "anschmachten".

Ansonsten lohnt es sich aber durchaus, bei den Texten genau hinzuhören, etwa wenn Matt Atherton seine "heiße Liebe" zu einer aromatische Tasse Kaffee besingt. Wer aufpasst, der kann beim Vielharmoniker-Konzert eben tatsächlich noch etwas lernen. Etwa, was die Aufgabe eines Soprans wie Meike Fink bei einer A-cappella-Formation ist. "Das ist der Ton, der
von innen an der Schädeldecke kratzt", beschreibt es Toby Hill.

Unangenehm ist dieses Kratzen dem Publikum freilich nicht, weder bei gefühlvollen Balladen wie "Yesterday" von den Beatles, noch bei Rock’n’Roll-Songs wie "Back in the UßR", ebenfalls von den Liverpooler Pilzköpfen. Bei letzterem hat Jan Unger, ansonsten als Bariton oder als "Beat Box" eher für das rhythmische Fundament zuständig, seinen großen Soloauftritt.

Einen solchen verwehren die "Vielharmoniker" auch ihrem "Senior" Hans Unger nicht. Auch wenn der Bass ansonsten Texte wie "Bumm-Bumm-Bumm..." singen muss und angesichts seines Alters als einziges Gruppenmitglied eine "Gedächtnis-Prothese" (Notenständer) gewährt bekommt, kann er sein Publikum auch solo begeistern. Und tut dies mit "Probier’s mal mit ’nem Bass" von den Wise Guys.

Anne Lindner komplettiert als Alt-Stimme die Vielharmoniker. Ihr "Migrationshintergrund" (sie stammt aus dem Westerwald) ist längst ebenso überwunden, wie der der beiden Briten in der Gruppe. Diese singen sich zum krönenden Abschluss des Programms ihr Integrations-Trauma bei "Engländer im Ourewald" von der Seele.

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Bald erste eigene CD

Diese Adaption des Sting-Klassikers "Englishman in New York" wird sicherlich auch Teil der CD sein, welche die Vielharmoniker in den nächsten Wochen veröffentlichen. Nicht umsonst stand diese Nummer schließlich beim aktuellen Programmtitel Pate.

Ohne Zugaben durften die Vielharmoniker am Samstag ihr Programm nicht beenden. Und dabei gelang es ihnen, ihr Publikum ein weiteres Mal zu überraschen: Als allerletztes Lied erklang mit "Awwel langt’s" ein überaus witziger "Abschieds-Rap", der das Zeug zum Kult-Abschluss von Vielharmoniker-Auftritten hat.

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Bilder: Jürgen Killian

 
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Unsere Fans wissen, dass uns Eigenlob fern liegt. Dennoch möchten wir an dieser Stelle unserer Freude freien Lauf lassen.

Platz 1 für „Yesterday“ von den Vielharmonikern. Und das nicht irgendwo, sondern auf der internationalen Künstler Plattform Ourstage.com. – Thanx for voting!

Yesterday, by Die Vielharmoniker on OurStage
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