| Konzert Bericht - Odenwälder Zeitung 22.01.07 |
| Geschrieben von Wolfgang Arnold, Odenwälder Zeitung | |
| Sonntag, 21. Januar 2007 | |
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"Abbafever" in Mörlenbach, Rock in der TV-Halle und Gottschalk im Fernsehen: über einen Mangel an Alternativen konnte am Samstag sicher nicht geklagt werden. Dennoch hatten sich bereits über eine Woche zuvor so viele Menschen entschieden, an diesem Abend den "Vielharmonikern" zu lauschen, dass es für - gar nicht einmal so - Kurzentschlossene keine Karten mehr gab. Zehn Tage vor der Veranstaltung war die evangelische Kirche von Fürth restlos ausverkauft, ein Zeichen dafür, dass sich die Qualität dieser A-cappella-Formation aus dem Weschnitztal herumgesprochen hat - und das, obwohl die Gruppe am Samstag erst ihr zweites eigenständiges Konzert gab. Von der daraus resultierenden Nervosität ist aber schon bei der Einstiegs-Nummer "Shine" nicht mehr viel zu spüren. Die "Vielharmoniker" vermitteln vom ersten Ton an genau das, was der Text dieses Stückes rät: Hab Spaß an dem, was du tust. Dieser Spaß am Singen ist den acht "Vielharmonikern" deutlich anzumerken. Er kann an diesem Abend auch nicht durch die Erkältung von Viola Unger - zusammen mit Matt Atherton der "musikalische Kopf" der Gruppe - gebremst werden. Man ist eben flexibel und verschiebt die Nummern, in denen Viola Unger sich als Solostimme ins Zeug legen muss, in den ersten Teil des Programms - so lange die Stimmbänder halten... Sie halten bis zum Ende, wie die ausgebildete Musiklehrerin bei einer Gänsehaut-Version von Abbas "Thank you for the music" im zweiten Teil des Abends eindrucksvoll beweist. Überhaupt ist jeder der "Vielharmoniker" ein Solist und das bei jedem einzelnen Lied. Denn beim A-cappella-Gesang muss jede Stimme ihren eigenen Weg einschlagen und einhalten, niemand kann sich hinter seinem Nebenmann "verstecken". Das macht diese Form des Chorgesangs schwer und komplex, aber umso hörenswerter wenn sie so gekonnt beherrscht wird, wie von den Vielharmonikern. "Schlagzeug" Jan Unger und Bass Hans Unger legen nicht nur ein rhythmisches Fundament, sondern erhalten auch Gelegenheit, sich in den Vordergrund zu singen. Hans Ungers Loblied auf die Spezies "Bass" gehört zu den stimmungsvollen Höhepunkten des Abends und manch einer wird überlegt haben, oft in Zukunft neben den "drei Tenören" auch "drei Bässe" einmal eine Alternative wären. "Sopran" Meike Fink und "Alt" Anne Lindner wandeln ebenso sicher auf dem von den "tieferen Tönen" gelegten Grundgerüst, wie Felica "Fee" Handelmann, "unser Kücken mit der glockenhellen Stimme", die erst vor Kurzem zu der Gruppe stieß - auf Vermittlung von Lorna Dooley übrigens, die als Gesangstrainerin hohen Anteil an der Qualität des A-cappella-Chors aus Fürth hat. Matt Atherton und Toby Hill sorgen nicht nur für die "englische Note" bei den "Vielharmonikern", sondern auch für jede Menge Lockerheit. "Ihr" Lied "Engländer im Ourewoald" ist einer der Höhepunkte des Konzertes. So wie Sting einst sein Außenseiter-Dasein als "Englishman in New York" beklagte, schildern sie die kulturellen Unterschiede, auf die sich ein Brite im südlichsten Zipfel Hessens einstellen muss. "Trink keinen Tee mehr, nur noch Eppelwoi..." gestehen sie, oder: "Statt ,How are you?" heißt's einfach ,Wie?"". Wie erfolgreich einem scheinbar bereits "angestaubtem" Song durch ein neues Arrangement (hierfür sind bei den Vielharmonikern Viola Unger und Matt Atherton zuständig) eine "Frischzellenkur" verpasst werden kann, beweist der Beatles-Klassiker "Yesterday" und bei "Every breath you take" fühlt sich der, der sich daran erinnern kann, in das "Live-Aid-Jahr" 1985 zurück versetzt, als Sting und Phil Collins mit einer sparsam instrumentierten Version dieser Police-Ballade dafür sorgten, dass im ausverkauften Wembley-Stadion eine fallende Stecknadel zu hören gewesen wäre. Überhaupt decken die Vielharmoniker an diesem Abend die ganze Palette der musikalischen Gefühlswelt ab. Vom schmachtenden "Something stupid", über das getragene, und wunderbare, "Ol' man river" bis hin zu den stimmungsvollen "Good vibrations" der Beach Boys, die sich spätestens zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in der evangelischen Kirche von Fürth breit machen. Lang anhaltend und stehend zollt das Publikum den "Vielharmonikern" am Ende Beifall. Abgesehen von der hohen musikalischen Qualität hat die Truppe, im Vergleich zum ersten Konzert, vor allem auch in der Bühnenpräsentation weitere Fortschritte gemacht. Auch diesmal wird ein Teil des Erlöses einem guten Zweck zugehen. Ein weiterer positiver Effekt eines gelungenen Abends, der mit mehreren Zugaben sowie dem Dank an die evangelische Kirchengemeinde, die ihre Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellte, und die Kolpingsfamilie Fürth für die Bewirtung im Gemeindehaus endete. Wer keine Karte bekommen hat, oder sich einfach auf einen weiteren "vielharmonischen Abend" freut, der sollte sich den 7. Juni (Fronleichnam) vormerken, an dem die Vielharmoniker im katholischen Jugendheim von Fürth auftreten. |













